Warum braucht es eine hohe Arbeitsmoral?
11.06.2019

Warum braucht es eine hohe Arbeitsmoral?

Eine hohe Arbeitsmoral und somit zielgerichtetes, effizientes und effektives Arbeiten im gesamten Betrieb sind eine Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften. Konzentrierte Arbeitsphasen, Nein-Sagen und Selbstführung sind Grundpfeiler einer hohen Arbeitsmoral. Führungskräfte leben es vor, die Mitarbeitenden ahmen nach. Doch auch Regenerationsphasen seien notwendig, um Spitzenleistung dauerhaft erbringen zu können, findet unser Gastautor Pascal von Gunten*.

Unsere KMU sind darauf angewiesen, dem Kunden ein ideales Preis-Qualitäts-Verfügbarkeitsverhältnis anbieten zu können. Dies gelingt aber nur, wenn das Team am gleichen Strick zieht und jeder sein Bestes gibt. Gezielter Arbeitseinsatz und effektives Arbeiten müssen somit einen sehr hohen Stellenwert bei jedem einzelnen Mitarbeitenden einnehmen.

Auf der anderen Seite sind vom Unternehmen Bedingungen zu schaffen, welche höchste Ansprüche an Arbeitsumgebung und Atmosphäre erfüllen. Denn wenn das Umfeld stimmt, braucht es so gut wie keine Massnahmen im Bereich „Mitarbeitermotivation“, Belegschaft auf Kurs bringen oder sogenannte Veränderungsprojekte. Diese Punkte erledigen sich quasi von selbst. Erfolg und positives Arbeitsklima führen automatisch zu einem konstruktiven, effektiven Engagement der Belegschaft.

Was gilt es zu beachten?
Wenn du arbeitest, arbeite! Ruhen kann, wer’s geschafft hat. Doch leider sind die Störfaktoren mittlerweile derart hoch, Mails, Telefone, SMS etc., dass wir bei Weitem nicht mehr jene Produktivität erfüllen können, die eigentlich notwendig wäre. Wer das nicht glaubt, soll einmal an einem Samstagvormittag zur Arbeit gehen und ohne Ablenkung gezielt an offenen Pendenzen arbeiten. Ich habe noch keinen getroffen, der behauptet hätte, er sei nicht wesentlich effizienter gewesen.

Übrigens, Nein-Sagen ist ausdrücklich erlaubt. Wer effizient und effektiv arbeiten möchte, muss auch „Nein“ sagen können. Was nicht dem Ziel dient, muss warten. Die richtigen Dinge aufzuschieben oder zu delegieren ist definitiv eine Kunst, die aber erlernbar ist und zu Spitzenleistung führt.

Von besonderer Wichtigkeit für hohe Arbeitsmoral ist die Selbstführung der Führungskräfte. Sie werden staunen, wie sich Ihr Denken, Fühlen und Handeln auf die Mitarbeitenden überträgt. Zeige mir den Chef und ich nenne dir die Eigenschaften seines Teams. Diese persönliche Erkenntnis bewahrheitet sich immer und immer wieder. Interessanterweise treffe ich dabei nicht selten die Situation an, dass sich der Häuptling fragt, warum die Indianer keine Spitzenleistung erbringen. In solchen Fällen versuche man es mit Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Führungskräfte, welche mit Einsatzwillen, Beharrlichkeit, Leistungsbereitschaft und Leidenschaft bei der Sache sind, machen den Unterschied und gehen als Vorbild voran.

Der Stellenwert von abwechslungsreicher Arbeit nimmt mit der digitalen Generation weiter zu. Wer also die Arbeitsmoral hochhalten möchte, soll sich bereits jetzt mit der entsprechenden Ausgestaltung der einzelnen Funktionen im Betrieb auseinandersetzen. Wer monotone, standardisierte „Fliessbandarbeit“ anbietet, wird zwangsläufig ein Problem mit der Arbeitsmoral kriegen, sofern er überhaupt noch an die Fachkräfte gelangt.

Wie sieht es mit Entspannung aus?
Regenerationsphasen wie Schlafen, Wochenende oder Ferien haben nichts mit Faulheit zu tun.

Ich erinnere mich an einen Vortrag einer Trainerin einer Olympiamannschaft vor einem Gremium aus Unternehmern und Managern. Leider ist mir ihr Name entfallen. Sie hat uns dazumal klargemacht, dass etwas vom Wichtigsten im Spitzensport, nebst gesunder Ernährung, die regelmässigen Regenerationsphasen seien, und nur wir Unternehmer und Manager das Gefühl hätten, wir könnten 7 Tage die Woche fast 24 Stunden lang arbeiten und immer noch Spitzenleistung erbringen. Nach einem kurzen Raunen im Publikum erhielt sie für diese Aussage Szenenapplaus.

Auch die Herren Stulberg und Magness in ihrem Buch PEAK Performance halten fest: „Viele von uns glauben, dass wir durch Schlaf viel versäumen, aber wir verpassen durch das Wachbleiben noch viel mehr. Schlaf zählt zu den produktivsten Dingen, die wir zur Steigerung unserer Leistungsfähigkeit tun können. Stress + Entspannung = Wachstum.“

Jede Woche einen Tag nichts tun und geregelter, grösstenteils störungsfreier Urlaub sind also keine Wohlfühloase, sondern eine Minimalanforderung sowohl für Vorgesetzte als auch für die Mitarbeitenden.

*Pascal von Gunten, Inhaber und Geschäftsführer der von Gunten Executive Partner AG aus Wittenbach, www.vongunten-partner.ch