31.05.2018

Tabula Rasa in der Spitallandschaft?

Der Verwaltungsrat der St.Galler Spitäler macht der Regierung einen überraschend mutigen Vorschlag: das Leistungsangebot an fünf Spitalstandorten nur ambulant weiterzuführen – oder anders zu nutzen. Dadurch würden von den heute neun Spitalstandorten noch vier übrig bleiben.

Geht es nach dem Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen, dann soll die stationäre Leistungserbringung künftig an einem Standort pro Spitalverbund angeboten werden. Konkret sind das die Spitäler St.Gallen, Grabs, Linth (Uznach) und Wil, wie die Verantwortlichen in einer Mitteilung schreiben.

Das Leistungsangebot an den fünf Standorten Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach soll neu konzipiert werden. Sie könnten nach Möglichkeit die ambulante Gesundheitsversorgung in Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten anbieten oder teilweise einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Ohne Gegensteuern droht Millionendefizit
Die Ziele dieses Grobkonzeptes seien die Konzentration, der Abbau von teuren Doppelspurigkeiten, die Erhöhung der Fallzahlen und eine weitere Qualitätssteigerung zum Wohl der Patienten.

Das Umfeld für die Spitäler habe sich in den letzten vier Jahren schweizweit erheblich verändert, schreibt der Verwaltungsrat weiter. «Ohne wirksames Gegensteuern droht den Spitalverbunden des Kantons künftig ein strukturelles Defizit von jährlich 70 Millionen Franken».

Lenkungsausschuss soll Lösung erarbeiten
Die Regierung selbst kann gestützt auf die vorliegenden Informationen noch keinen Entscheid zur Strategie fällen. Sie sei der Meinung, dass die Grundlagen nicht ausreichen und zuerst mehrere Aspekte aus gesamtkantonaler Sicht vertieft geprüft werden müssen.

Die Regierung habe deshalb entschieden, einen Lenkungsausschuss einzusetzen. Ziel sei es, einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten, der der Bevölkerung im ganzen Kanton eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung garantiere und dem Spitalverbund unternehmerische Sicherheit biete.

Im Lenkungsausschuss werden drei Regierungsmitglieder und zwei Mitglieder des Verwaltungsrates Einsitz nehmen: Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Vorsteherin des Gesundheitsdepartementes, Regierungsrat Benedikt Würth, Vorsteher des Finanzdepartementes, und Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher des Baudepartementes. Der Verwaltungsrat wird durch den neuen Präsidenten Felix Sennhauser und Yvonne Biri vertreten sein. Er setzt sich zusammen aus Guido Sutter, Bruno Glaus, Peter Altherr, Leodegar Kaufmann, Monika Stalder, Walter Kohler, Daniel Germann, Stefan Lichtensteiger, Urs Graf, René Fiechter, Andreas Eisenring, Küngolt Bietenhard, Felix Sennhauser und Yvonne Biri.

Der Lenkungsausschuss werde vor den Sommerferien das nächste Mal informieren.