07.09.2018

Schweben Postautos bald?

An der diesjährigen eBusiness Challenge der FHS St.Gallen vom 4. September haben Schüler aus der Ostschweiz das Motto «Mobilität der Zukunft» für die PostAuto Schweiz AG behandelt. Die Gruppe 3 vom Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil hat den Pitch gegen 47 Konkurrenten gewonnen – die Idee des «Postolino» überzeugte die Jury.

Die eBusiness Challenge der Fachhochschule St.Gallen ist ein eintägiger Wettbewerb zur Förderung des IT-Nachwuchses und hat in diesem Jahr am 4. September zum 11. Mal stattgefunden. 203 Schüler aus elf Ostschweizer Schulen der Sekundarstufe II haben einen Tag lang «digitale» Geschäftsideen entwickelt und schnuppern damit in das Berufsbild der Wirtschaftsinformatik hinein. Die eBC steht damit im Kontext der IT-Bildungsinitiative durch den Kanton St.Gallen und der Kampagne «IT St.Gallen rockt!». Beide unterstreichen die Bedeutung von IT-Fachkräften, und wie dringend notwendig deren Ausbildung ist.

Kreative Ideen
Der diesjährige eBC stand unter dem Motto «Mobilität der Zukunft», die Aufgabenstellung wurde von PostAuto Schweiz AG entwickelt. Auch PostAuto benötigt immer mehr IT-Fachkräfte, um den Kundenbedürfnissen und der zunehmenden Digitalisierung – dem Megatrend schlechthin – gerecht zu werden. Die 48 Teams waren kreativ. Viele Ideen umfassten einen flexiblen Bestellservice von Fahrzeugen und beantworteten das Bedürfnis nach Individualisierung mittels eines Taxiersatzes. Zusätzlich zu dieser Idee legten die Schüler der PostAuto nahe, per Drohne Güter zu transportieren: Skis ins Skigebiet, Medikamente zu den Patienten – und irgendwann auch Personen selbst, sobald aus Postautos «Postdrohnen» werden. Auch Gondeln und Magnetschwebebahnen schlugen die Schüler dem Auftraggeber vor. Ebenso soll es ein PostAuto Business geben, das mehr Komfort und Arbeitsplätze bietet, oder sollen Solarzellen auf den Dächern der Postautos installiert werden.

Sieger präsentieren das «Postolino»
Gewonnen hat das Team BZWU_3 vom Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil BZWU mit den Teammitgliedern Marco Maximilian Hürzeler, Alexa Jöhl, Angela Arja Kohlbrenner und Manuel Lanter. Ihre Pitches und die Idee des «Postolino», einem persönlichen Quartierbus für Senioren, hat die Jury überzeugt.

Mobilität der Zukunft – eine der grössten Herausforderungen für die Schweiz
Behandelt wurde in diesem Jahr die Thematik «Mobilität der Zukunft»: Angesichts begrenzter Verkehrskapazitäten gehört die absehbar steigende Mobilitätsnachfrage zu einer der wichtigsten zukünftigen Herausforderungen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in der Schweiz. Vor dem Hintergrund der laufenden technologischen Umwälzungen sind nachhaltige Lösungskonzepte gefragt; «kombinierte Mobilität» ist hier das Stichwort, bei der die Grenzen zwischen öffentlichem Verkehr und Individualverkehr zunehmend verwischen, verschiedene Transportmöglichkeiten wie Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel miteinander verbunden und als Gesamtes betrachtet werden.

Drei Mal 60 Sekunden vor der Jury
Entwickelt wurde die Aufgabenstellung von PostAuto Schweiz. Das Unternehmen arbeitet bereits an kombinierter Mobilität, was sich wiederum in der PostAuto-App zeigt, in der auch Mobility, Publibikes oder Parkplätze gesucht und gebucht werden können. Die Aufgabe an die Schüler war dreigeteilt. Zuerst beschrieben sie in einer Situationsanalyse fiktive Personen oder Unternehmen im Kontext von Megatrends und deren Anforderungen an die Mobilität im Jahr 2025. Danach entwickelten sie verschiedene Lösungen für die sich aus den Anforderungen ergebenden Herausforderungen, konkretisierten diese im dritten Schritt und stellten fest, welche Rolle PostAuto bei der Lösung spielen kann. Zum Schluss wurden alle drei Aufgaben jeweils einer anderen Jury in 60 Sekunden präsentiert – in sogenannten Elevator Pitches.

Informatikfachkräfte sind notwendig und rar
Martina Müggler, Leiterin Mobilitätsentwicklung bei PostAuto betonte, dass heutzutage praktisch jede Dienstleistungserbringung durch Informationstechnologie unterstützt werde, ob als Transportunternehmen, Logistikanbieterin oder als Finanzinstitut. Hierfür seien Fachkräfte notwendig und rar. Auch die durch den Kanton St.Gallen lancierte IT-Bildungsinitiative sowie die Kampagne «IT St.Gallen rockt!» verdeutlichen die Bedeutung der IT-Branche in der Ostschweiz und die Problematik des Fachkräftemangels: Angesichts des Megatrends Digitalisierung werden IT-Fachkräfte händeringend gesucht.

Es sei notwendig, Schüler für das Thema IT zu interessieren, erklärt Christoph Baumgarten, Dozent am Institut für Informations- und Prozessmanagement IPM-FHS sowie Projektleiter eBC. Die eBC versucht, hier einen Beitrag zu leisten und den Jugendlichen das Berufsbild der Wirtschaftsinformatik und die Möglichkeiten eines Wirtschaftsinformatikstudiums näherzubringen.

Berufsfeld mit Zukunft
«Die Welt verändert sich und junge Menschen müssen sich heute die Frage stellen, ob es den Beruf, den sie erlernen, später überhaupt noch geben wird», sagt Prof. Dr. Sibylle Minder Hochreutener, Fachbereichsleiterin Wirtschaft der FHS St.Gallen. «Doch IT hat Zukunft.» Deswegen ist eBC-Projektleiter Baumgarten davon überzeugt, dass sich auch dank der diesjährigen Durchführung wieder etliche Schüler für Fragen der Digitalisierung begeistern werden: «Sie werden die Wirtschaftsinformatik als ernsthafte Berufsoption ins Auge fassen.»

Weitere Informationen und Bilder finden Sie auf www.fhs-ebc.ch oder www.facebook.com/fhsebusinesschallenge

Auf dem Bild:
Das Gewinnerteam der FHS eBusiness Challenge 2018, v.l.n.r., vordere Reihe: Angela Kohlbrenner, Manuel Lanter, Marco Hürzeler und Alexa Jöhl von der BZWU –  «eingerahmt» von Vertretern der PostAuto Schweiz AG Martina Müggler und Walter Schwizer sowie Daniel Moser (hinten).