Jetzt Würth, im Herbst die FDP?
26.02.2019

Jetzt Würth, im Herbst die FDP?

Lange Zeit waren beiden St.Galler Ständeratssitze in bürgerlicher Hand. Dieser Status könnte wieder hergestellt werden. Die Parteien müssen allerdings über den Tellerrand hinaus schauen. Ein Kommentar von LEADER-Redaktor Marcel Baumgartner aus der aktuellen Hauptausgabe.

Benedikt Würth von der CVP gilt als Kronfavorit für den Ständeratssitz von Karin Keller-Sutter (FDP). Er dürfte, sofern er sich keinen gravierenden Fehler mehr leistet, im zweiten Wahlgang gewählt werden. Und gravierende Fehler, das zeigt ein Blick auf Würths geordnete Politkarriere, wird es keine geben.

Die FDP will den Sitz ihrer frischgewählten Bundesrätin nicht kampflos aufgeben. Das betonen die Freisinnigen bei jeder Gelegenheit. Das gehört zur allgemeinen Wahlkampfsprache. Und das ist meinen seinen Wählerinnen und Wählern auch quasi schuldig.

Auch wenn die Politikerinnen und Politiker der FDP gerne betonen, dass bereits genügend ehemalige Regierungsräte in Bern politisieren, so vergessen sie dabei, dass das Wahlvolk gerne Personen in die kleine Kammer schickt, die über genau diese Erfahrung verfügen. Man weiss hier quasi, was man erhält. Und darf ebenfalls nicht unterschlagen werden, dass auch mit Karin Keller-Sutter eine einstige Regierungsrätin im Ständerat sass. Das Argumentarium fällt demnach in sich zusammen.

Die Spitze der FDP weiss genau, dass man Würth aktuell kaum bremsen kann. Sie weiss allerdings auch, dass bei den ordentlichen Wahlen im Herbst durch eine bürgerliche Allianz der Ständeratssitz von Paul Rechsteiner (SP) ernsthaft in Gefahr gebracht werden kann. Wenn sich also FDP und CVP zusammenraufen und auch noch die SVP mit an Bord holen – letzteres wird den schwierigsten Part darstellen –, dann sind die Chancen intakt, dereinst wieder zwei bürgerliche Vertreter in der kleinen Kammer zu stellen.

Bis zum ersten Wahlgang am 10. März sind kaum Zugeständnisse von irgendeiner Seite zu erwarten. Keine Partei will sich zu früh in die Karten blicken lassen. Man wartet ab, welches Blatt man nach dem Wahlsonntag in den Händen hat. Und dann werden die Karten allenfalls nochmals neu gemischt.