ICT-Lösungen: Make or Buy?
20.02.2020

ICT-Lösungen: Make or Buy?

Sollen ICT-Lösungen von den Unternehmen selbst erarbeitet oder extern eingekauft werden? Die 5. ICT-Konferenz, gemeinsam durchgeführt von der IHK St.Gallen-Appenzell und vom Verein IT St.Gallen, widmete sich im Sinne von «Back to the Basics» dieses Jahr einer Thematik, die KMU in ihrem Geschäftsalltag immer stärker beschäftigen wird. Visionäre Perspektiven kamen auch nicht zu kurz: Zwei Expertenreferate sorgten für Einblicke in die zukünftigen Entwicklungen in den Bereichen Artificial Intelligence und Machine Learning mit spannenden Anwendungsmöglichkeiten für KMU.

Die Galerie zum Anlass finden Sie hier.

Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) spielen in unserer Informationsgesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle. Umso wichtiger werden in diesem Umfeld der Aufbau und die Förderung digitaler Kompetenzen in allen Unternehmen, nicht nur jenen aus dem IT-Bereich. Gerade diese Förderung ist ein zentraler Schwerpunkt der Zukunftsagenda «Softurbane Ostschweiz» der IHK St.Gallen-Appenzell. Die ICT-Konferenz bringt Unternehmer aus den unterschiedlichsten Branchen mit IT-Spezialisten zusammen. An der diesjährigen ICT-Konferenz folgten rund 130 Gäste der Einladung der IHK St.Gallen-Appenzell und vom Verein IT St.Gallen.

ICT-Kompetenzen in KMU: Nach wie vor Handlungsbedarf
Wie steht es um die ICT-Kompetenzen von Unternehmen? Dieser Frage nahm sich Michèle Mégroz, CEO von CSP, an. Eine Studie von EY ergäbe, dass lediglich ein Viertel aller Unternehmen angeben, sie hätten einen Digitalisierungsexperten im Verwaltungsrat. «Gleichzeitig haben aber alle die Digitalisierung weit oben auf der Traktandenliste», so Michèle Mégroz. Natürlich seien ICT-Kompetenzen nicht für jedes Unternehmen gleich entscheidend. Wichtig sei es aber, sich den Möglichkeiten der Digitalisierung bewusst zu sein, und sich vor allem stets am Kundennutzen zu orientieren.

Ein Beispiel für ein Unternehmen, welches diese digitalen Möglichkeiten bereits voll ausnutzt, bot derweil Heini O. Seger, Co-Founder von tomsfive. «Mit den verwendeten Tools sind wir sehr flexibel und können durch Clouddienste ortsunabhängig arbeiten», so Seger.

AI und Machine Learning: Auch in KMU die Zukunft?
Noch etwas weiter in die Möglichkeiten der Digitalisierung blickten derweil die beiden Experten für AI und Machine Learning Professor Dr. Guido Schuster von der HSR Rapperswil sowie Professor Dr. Siegfried Handschuh von der Universität St.Gallen. Im Bereich des Machine Learning seien bereits heute viele Anwendungen auch in kleineren Unternehmen denkbar, führte Guido Schuster aus. Schuster forscht an der HSR Rapperswil auf diesem Gebiet. Vielfach fehle aber noch schlicht das Wissen um solche Möglichkeiten.

Siegfried Handschuh, auf der anderen Seite, gab Einblicke in sein Forschungsgebiet, das «Natural Language Processing». Dabei gehe darum, wie einem Computer das Verstehen von Sprachen beigebracht werden kann. «Wenn die Entwicklung so weiterverläuft wie bisher, werden wir in fünf bis zehn Jahren nicht mehr unterscheiden können, ob wir am Telefon mit einem Menschen oder einer Maschine kommunizieren», so Handschuh.

Umgang mit Daten entscheidend
Wie weit diese zukünftigen Anwendungen den Weg in die Unternehmen finden werden, hänge jedoch stark von den vorhandenen Daten ab, wie die Referate der beiden Professoren illustrierten. «Daten sind eigentlich das neue Öl», so Guido Schuster. Wenn man sich entscheidet, ICT-Lösungen extern erbringen zu lassen, müsse man sich dessen bewusst sein.

Die Frage, ob man ICT-Lösungen selbst erbringe oder einkaufe, drehe sich also auch um den Umgang mit Daten im Unternehmen. So fasst Milo Stössel, Vizepräsident der IHK St.Gallen-Appenzell den Abend zusammen und betont: «Das Sammeln und der Schutz von Daten wird in Zukunft für KMU absolut zentral sein.»