«Sicherheit ist keine Preis-, sondern eine Qualitätsfrage»

Die Technik schreitet stetig voran und so werden Sicherheitssysteme immer komplexer und digitaler. Was steht bei Neubauten von Privaten und Unternehmen beim Thema Sicherheit im Vordergrund? Im Interview blickt Thomas Schneider, Direktor der Securitas Regionaldirektion St. Gallen, auf aktuelle Sicherheitstrends und gibt gleichzeitig Tipps, wie Hausbesitzer die Sicherheit des Eigenheims erhöhen können.

Thomas Schneider, hat das Bedürfnis von Hausbesitzern, ihr Eigenheim vor Einbrechern zu schützen, in den letzten Jahren zugenommen, was stellen Sie hier fest?
Gemäss unseren Spezialisten an der Front ist dieser Trend spürbar. Baulich wie technisch bietet der Markt immer mehr Möglichkeiten. Sei es professionell vom Fachmann montiert oder als günstige Lösung aus dem Baumarkt für ein Self-Monitoring. Das Sicherheitsbedürfnis ist in der Schweiz auf einem hohen Niveau. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch die Bedürfnisse und damit das Marktangebot sich stetig entwickelt haben.

Gibt es Unterschiede zwischen eher ländlichen Regionen und städtischen Gebieten – oder anders ausgedrückt: Fühlen sich ländliche Bewohner «sicherer» als jene in Städten in der Ostschweiz?
Sicherlich lässt sich immer noch klassisch eine unterschiedliche Wahrnehmung der realen Gefährdung zwischen Stadt und Land feststellen. Die Gründe dafür sind sehrunterschiedlich und schwinden zunehmend. Dörfliche Überschaubarkeit mit einer wachen Nachbarschaft kann die Abschreckung von potentiellen Tätern ermöglichen. Im Gegenzug kann eine städtische Anonymität ein ‹aktives Wegschauen› begünstigen. Diese beiden Klischees des Landidylls und der stressigen Städte trifft für die überschaubare Schweiz meines Erachtens immer weniger zu, als beispielsweise für Länder mit grossen Metropolen. Es gibt je nach Quartier grosse Unterschiede.

Was ist Eigentümern derzeit punkto Sicherheitstechnik bei Neubauten von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen besonders wichtig? Wir stellen fest, dass Bauherrschaft und Unternehmer den Aspekt der Sicherheit stärker gewichten. Immer mehr Kunden wählen bewusst Bauteile, die auch Sicherheitselemente beinhalten: Hauseingänge mit Mehrfachverriegelung, stabile Fenster und Balkontüren, bessere Schliesssysteme und ein stetig steigender Automatisierungsgrad und Vernetzung. Die Kosten bleiben dabei ein wichtiges Kriterium für die endgültige Realisierung. Daher verwundert es uns auch nicht, dass insbesondere die eigentliche Sicherheitstechnik meist erst nachträglich verbaut wird. Wenn aber die Möglichkeit besteht, sollte man zumindest die Option eines zukünftigen Sicherheitssystems (Kabelschacht, Platzierung, etc.) in der Planung berücksichtigen.

Eine 100prozentige Sicherheit gibt es nicht…Klar, ein Haus lässt sich kaum zur 100 prozentigen Festung umbauen. Es ist eigentlich ein Verdrängungskampf. Ist die Hürde, in mein Haus einzudringen eher zu hoch, dann versucht ein Einbrecher sein Glück vermutlich woanders. Hohe Sachwerte werden aber nach wie vor mit spezieller Sicherheitstechnik abgesichert. Dazu gehören Alarmierung und Intervention. Alles Bausteine, welche die Securitas aus einer Hand anbieten kann.

Welche Bedürfnisse haben Unternehmen punkto Gebäudesicherheit vornehmlich?
Ein Unternehmen sieht sich in der Regel mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert. Fremdzutritte durch Kunden, Lieferanten und Handwerker sind alltäglich. Gesetzesvorschriften zum Beispiel im Bereich Brand, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind umzusetzen. Der Schutz von Leib und Leben, das Sichern von Geschäftsgeheimnissen und grösseren Sachwerten oder das Verhindern von Produktionsausfällen nimmt das Management viel stärker in die Verantwortung als in den eigenen vier Wänden.

In welche Richtung geht die Entwicklung beim Bereich Sicherheit in naher und ferner Zukunft?
Klare Trends sind die immer stärker werdende Vernetzung der täglichen «Dinge» und die aktive Auseinandersetzung mit neuen Gefahren. Wenn ich anstelle eines klassischen Schliesssystems mittels Mobiltelefon oder biometrischen Hürden den Zutritt ermögliche, muss meine Sicherheitstechnik auf dem neusten Stand sein, um neuen Angriffsarten standzuhalten. Immer mehr Eigenheimbesitzer setzen wie Unternehmen auch auf Videotechnik – je nach Bedürfnis ein sehr gutes Mittel. Wichtig ist es, den Ablauf komplett durchzudenken: Wofür benötige ich die Videoüberwachung und was soll sie im Gesamtablauf bewirken (Remote-Einblick, Vorwarnung, Abschreckung, Nachverfolgbarkeit, etc.).

Die Securitas bietet privaten Kunden und Unternehmen als eine ihrer Dienstleistungen ein «integrales Sicherheitsmanagement an» – worum geht es hier und wieso lohnt sich das für ein Unternehmen?
In unserer Methodik basieren wir auf einem umfangreichen Risikokatalog und betrachten den Kunden in seiner Gesamtheit, mit möglichst allen Schnittstellen und Gefahrenherden. Der integrale Ansatz basiert auf einer möglichst umfassenden Landkarte und soll dem Unternehmen helfen, Schwachstellen strukturiert aufzudecken und zu beheben. Dank unserer grossen Erfahrung in unterschiedlichsten Branchen gelingt es uns, entsprechende Benchmarks zu setzen und dieses Wissen massgeschneidert für Unternehmen anzuwenden.

Eine umfassende Sicherheitslösung ist für ein Unternehmen immer auch eine finanzielle Investition: Ist das Angebot auch für kleinere und mittlere Unternehmen interessant oder können es sich nur grosse Unternehmen leisten?
Meine simple Lieblingsantwort lautet: «Wo nichts ist, ist wenig viel.» Bereits mit günstigen, aber gezielten Massnahmen, lassen sich sehr gute Resultate erreichen. In gewissen Fällen sind moderne KMU’s oder auch Privathaushalte in ihrem Risikoverhalten weiter als grössere, teils traditionelle Unternehmen. Es ist in beiden Fällen ein ähnliche Entscheidungsgrundlage: Was ist mir meine persönliche Absicherung und Ruhe wert? Und welchen Gefahren müssen die Massnahmen genügen? Sollte mein Risiko gar nicht abgedeckt sein, dann kann es im Endeffekt erst richtig teuer werden. Jede Massnahme muss in erster Linie eine qualitative Absicherung bieten. Damit sind gute Lösungen keine Kostenfrage, sie finanzieren sich im Idealfall selber (zum Beispiel weniger Diebstahlprävention, etc.).

Zurück zum Privathaus: Nicht jeder Eigenheimbesitzer will oder kann sich gleich eine komplette Sicherheitsanlage leisten. Welche Massnahmen empfehlen Sie hier, um das eigene Heim dennoch sicherer zu gestalten?
Kostenlos ist Disziplin und Achtsamkeit. Nachbarschaftlich aufeinander zu achten und eigene Fenster und Türen korrekt zu schliessen. So sind zugängliche schräg gestellte Fenster für Einbrecher eine mögliche Einladung. Investieren würde ich privat in erster Linie in die Gebäudehülle. Eine stabile Eingangstüre und qualitativ gute Fenster und Storen. Dabei sollte man den Hintereingang nicht vergessen. Und kein Einbruchswerkzeug zur Verfügung stellen (z. B. zugängliche Gartengeräte).