Nischenprodukt mit steigender Beliebtheit

Im Ohr trägt Michael Koller kein «Chüehli», sondern eine Breitaxt. Kein Zufall: In Appenzell Innerrhoden nennt man die Breitaxt im Dialekt «Brädäx» – sie war das frühere Werkzeug des Zimmermanns und sie ist zugleich der Firmenname von Michael Kollers Unternehmen. Der gelernte Zimmermann ist seit 13 Jahren selbstständig und unter anderem auf Blockhausbauten spezialisiert, auch weil ihn die Bauweise fasziniert.

Angefangen hatte alles mit einem Kurs für Blockbau in Finnland. «Die Bauweise mit ihrer hohen Handwerksanforderung und ihrer Echtheit hat mich so fasziniert, dass ich im Februar 2007 beschloss, zusammen mit meiner Frau ein eigenes Unternehmen zu gründen, die Brädäx GmbH», sagt Michael Koller. Der Bau eines Blockhauses ist viel anspruchsvoller als jener eines konventionellen Holzhauses – es braucht ein tiefes Wissen über das Holz. «Jeder Stamm muss gemäss seinen Eigenschaften begutachtet werden, um zu entscheiden, wie und wo er verbaut wird», sagt Koller. Zudem brauche es ein grosses handwerkliches Geschick, um die verschiedenen Holzverbindungen abzubinden.

Gute Planung ist wichtig
Der Bau eines Blockhauses will gut geplant sein. Im Herbst sollte die Baubewilligung vorliegen, damit im Winter das Holz geschlagen werden kann. Nach dem Entrinden im folgenden Frühling wird das Holz bis im Sommer gelagert, damit es antrocknen kann. Danach folgt der Abbund in Gonten. Das gesamte Haus wird vorgebaut, danach wieder in Einzelteile zerlegt und auf dem Bauplatz wieder aufgebaut. Im Schnitt baut Koller ein Blockhaus pro Jahr und falls gewünscht, macht er auch den Innenausbau. Derzeit ist das 12. Haus im Bau. Der Blockhausbau ist aufwendig – und das hat seinen Preis. Je nach Grundrissform, Standort und Ausbaustandard muss mitzehn bis zwanzig Prozent Mehrkosten im Vergleich zu einem üblichen Einfamilienhaus gerechnet werden. Koller bietet die ganze Palette von Zimmereiarbeiten an und auch die Architekturplanung mit Bauleitung bis Bauvollendung. «So hat der Bauherr alles aus einer Hand», sagt Koller.

Nachhaltigkeit wichtig
Auch wenn der Blockhausbau in ganz Europa nach wie vor ein Nischenprodukt ist, erfreut sich diese Bauart nach Kollers Erfahrung einer steigenden Beliebtheit und Nachfrage «Holz ist nachhaltig und heimelig», sagt Michael Koller. Und: «Das Leben in einem Massivholzhaus ist nachweislich gesund.» Es beeinflusst auch das Wohnklima stark: Die Luftfeuchtigkeit bleibt das ganze Jahr über hoch, Temperaturschwankungen bleiben aus, weil das Holz wie ein träger Speicher wirkt. «Es gibt keinen anderen Baustoff, der das kann», sagt Koller. Mit dieser Ansicht ist er nicht alleine, steigt doch der Holzanteil im Bauwesen an, stellt Koller fest. «Ich setze bei den verwendeten Baustoffen von Anfang an auf Nachhaltigkeit, Ökologie und wohngiftfreies Bauen», sagt Koller. Wenn möglich werden die Materialien auch regional bezogen und verarbeitet. Gerne baut Koller auch mit «Mondphasen-Holz»: Es ist nachweislich ruhiger und reisst dadurch weniger. Durch den geringeren Saftanteil ist es auch weniger anfällig auf Insekten- und Pilzbefall. «Der Blockbau verbreitet sich mit jedem Haus, das gebaut wird, mehr», ist Koller überzeugt. Ihm ist es wichtig, eine breite Palette an möglichen Formen und auch Mischformen im Blockbau anzubieten. «So können auch Bauherren angesprochen werden, denen die rustikale Bauart eines Naturstammhauses nicht zusagt, die jedoch die Vorteile der massiven Bauart nutzen wollen.» Es können im Blockbau auch sehr moderne Baustile und Häuser realisiert werden, es muss nicht immer rund sein.