Nachhaltige Materialien müssen nicht teurer sein

Wie soll das künftige Haus aussehen, wie die renovierte Wohnung? Wer natürlich wohnen will, bevorzugt auch für Bau und Innenausbau nachhaltige Rohstoffe. Dass ökologisch zu bauen gleichbedeutend mit modern, schön und komfortabel ist, weiss die St. Galler Architektin Huaxin Häni. Sie ist mit ihrem Start-up auf Renovierungen und Umbauten spezialisiert, aber auch auf die Konzeption von Einfamilienhäusern. Im Gespräch spricht Häni über Trends und worauf es ihr bei Ästhetik, Design und Nachhaltigkeit ankommt.

Huaxin Häni, was bedeutet für Sie «Natürlich Wohnen»?
Für mich bedeutet es, mit der Natur und sich selbst im Einklang zu leben und sich dabei wohlzufühlen.
Klimaschutz ist das Thema derzeit: Wie wirkt sich das beim Bauen und Renovieren aus ?
Das ist sehr individuell, je nach Persönlichkeit und Weltanschauung. Zudem ist das Vorurteil immer noch weit verbreitet, dass alles, was ökologisch abbaubar ist, teurer ist als die bisher üblichen Baumaterialien. Das ist aber nicht per se so. Hier liegt es an uns Fachpersonen, die Bauherren gut zu beraten.
Kommt nachhaltiges Bauen teurer – und wenn ja: Wieviel?
Es kommt auf das Projekt an, ob es sich um einen Neubau oder eine Sanierung handelt, und auf die Ansprüche und den Geschmack der Bauherrschaft. Generelle Zahlen gibt es hier nicht. Es gibt viele nachhaltige Baumaterialien, auch für Möbel, die nicht teurer sind als herkömmliche – zum Beispiel Hanf als Baustoff, Stroh- und Zellulose als Dämmung etc. Beim Neubau gibt es auch kostengünstigere Lösungen wie Fertighäuser mit wenigen Innenwänden und Türen.
Was sind Ihre bevorzugten natürlichen Rohstoffe und Baumaterialien?
Meine Favoriten sind Hanf und Bambus. Bambus ist eine umweltfreundliche Alternative zu Tropenholz. Qualitativ hochwertige Bambusmöbel sind ästhetisch und können, sofern sie nicht ständig Wind und Wetter ausgesetzt sind, gut 150 Jahre alt werden. Nicht umsonst gilt Bambus in China als Symbol für langes Leben – zudem lässt sich Bambus auch in der Südschweiz anbauen. Hanf ist CO² negativ und damit 100 Prozent natürlich. Es wächst auch in der Schweiz und circa 50 Mal schneller als Holz. Hanf ist generell ein Multitalent und kann dank seinen vielfältigen Eigenschaften beispielsweise als Wärmedämmung, Wärmespeicher, Wärmereflexion, Schalldämmung, Akustikregulation in Neubauten und bei Sanierungen eingesetzt werden.
Wohnen hat viel mit «sich wohlfühlen» und «sich zu Hause» fühlen zu tun: Was ist für Sie hier am Wichtigsten?
Sicherheit und Geborgenheit sind die Grundbedürfnisse des Menschen. Ein gut eingerichtetes Haus kann diese Bedürfnisse erfüllen. Hier ist es für mich sehr wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden einzugehen, sodass er sich in seinem Zuhause wohlfühlt.
Welche Rolle spielen Ästhetik und Design?
Eine sehr wichtige, denn alles, was wir wahrnehmen, beeinflusst unser Wohlbefinden.
Welchen Ansprüchen muss eine Architektin heute genügen, wenn sie sich an die Planung eines Neu- oder Umbaus macht?
Sie muss kundenorientiert und innovativ sein, sich sehr gut bei den Baumaterialien und den Kosten auskennen. Darüber hinaus wird die Baupsychologie immer wichtiger. Wie soll ein Raum sein? Soll er Lebendigkeit ausstrahlen? Oder ist das Ziel eine bessere Einschlafqualität im Schlafzimmer? Auf Wunsch des Kunden entwerfe ich entsprechende Farbkonzepte, die unterstützend wirken.
Die Ansprüche steigen stetig, dennoch haben Sie sich im August 2019 entschlossen, mit Minimaei Häni Baudesign Ihre eigene Firma zu gründen. Wodurch heben Sie sich von der Konkurrenz ab?
Die Konkurrenz ist gross, das war mir klar, aber das ist in jeder Branche so. Minimaei Baudesign zeichnen moderne Arbeitstechniken und zukunftsorientierte Bauweise aus.
Was empfehlen Sie jemandem, der natürlich, aber modern wohnen möchte?
Ich empfehle, sich über natürliche Baumaterialien und Rohstoffe zu erkundigen und darüber, was die Vorstellungen sind. Mit fast allen Holz- und Bambusstoffen, Wolle und Kork kann man modern und nachhaltig einrichten.
Und was gilt es zu vermeiden?
So wenig Kunststoff und Leder wie möglich oder ganz darauf verzichten. Zum Schluss: Was bedeutet das «Minimaei» in Ihrem Firmennamen eigentlich? «Minima» steht für Minimalismus, «ei» steht für Individualismus, denn kein einziges Ei ist gleich.