Kunst am Bau soll emotional berühren

Die Rheintalerin Sabeth Holland gehört heute zu den etablierten Schweizer Künstlerinnen. Zu Ihren Werken gehören nebst Bildern, Skulpturen und Installationen auch verschiedene Projekte am Bau. Holland stellt regelmässig in Europa, Amerika und Asien aus – zuletzt 2019 in Hong Kong. Ihr Erfolg ergibt sich aus ihren

unverkennbaren Werken, die etwas Märchenhaftes an sich haben. Die Malerei steht nach wie vor im

Mittelpunkt,

doch arbeitet sie heute auch multimedial. Im Interview spricht Sabeth Holland über Kunst im

Zeitalter von Multimedia, Kunst am Bau und über Inspiration und Emotion.

Sabeth Holland, in Ihrer Anfangszeit als Künstlerin stand die Malerei im Vordergrund – heute sind Sie in ihrem Schaffen multimedial und nutzen auch die Sozialen Medien als Kanal – inwiefern beeinflusst die zunehmende Digitalisierung Ihr Schaffen?
Mir eröffnete sie zu aller erst einmal neue Kommunikationswege und eine detailliertere Visualisierung meiner Projekte. Sie reduzierte auch meine Reisetätigkeit und machte vieles direkter, schneller, leichter und kostengünstiger. Das inspirierte mich, ganz unbeschwert auch neue Formen der Kunst auszuprobieren. Manchmal sind das nur kleine, sehr spielerische Interventionen auf Social Media. Doch arbeite ich auch sehr gerne im Bereich Fotografie und Film zur Vertiefung der Inhalte in meiner Malerei und dem skulpturalen Schaffen.

Wie zeigt sich das konkret?
Im letzten Herbst wurde eines meiner Werke aus meiner Ausstellung in Hong Kong ausgewählt und nach Washington geholt. Das Interessante daran ist, dass die Sammler ein Jahr zuvor an der Pulse Art Fair in Miami meine Werke im Original betrachtet hatten und ich anhand dessen für ein ganz neues Leinwandbild entschieden, dass sie lediglich als Abbildung gesehen hatten. Ganz neu ist auch meine Zusammenarbeit mit der St. Galler Online-Galerie «next-art.com», wo es für mein Werk einen globalen Zugang via Internetshop gibt, der aber auch lokal genutzt wird.

Ist das für Sie die logische Weiterentwicklung Ihrer Kunst?
Meiner Ansicht nach wird durch die Digitalisierung alles Einmalige mit Seele und von Hand Geschaffene noch wertvoller. Unverkennbarkeit und Oberflächenstrukturen, die auch den Tastsinn einbeziehen erscheinen zunehmend noch faszinierender. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich moderne Technologien weiternutze und ausbauen und parallel dazu dem perfekt Unvollkommen, dass die Natur hervorbringt, ganz viel Raum gebe. Ziel meines Schaffens ist es nach wie vor, Werke zu schaffen, die einmalig sind und starke Emotionen hervorrufen.

Wie hat sich Ihr Schaffen entwickelt in den letzten 30 Jahren?
Angefangen habe ich mit Zeichnungen und Arbeiten in Gouache auf Papier, mein Atelier war der Küchentisch. Heute arbeite ich in einem lichtdurchfluteten Malatelier mit Raum für Reflexion am Stadtrand, im Schutzanzug und Atemmaske in meinem Skulpturenatelier im Industriegebiet mit Kompressor und Spezialwerkzeugen und am Computer. Ich habe heute ein ganz breites Wissen und viele fundierte Kompetenzen, um meine Visionen und Ideen umsetzen zu können.

Ihre Werke sind märchenhaft und bunt– ein Kontrast zur häufig nicht wirklich märchenhaften Realität, in der wir uns alle befinden?
Ich befasse mich definitiv mit einer Art Gegenwelt. Ich liebe meine fröhlichen, lebensbejahenden Werke, weil es so wunderbar ist, sie zu schaffen und mich mit ihnen umgeben zu dürfen. Doch ich sehe die Realität und befinde mich keineswegs in einer Traumwelt. Im Gegenteil, ich habe viel erlebt und durchgestanden und dennoch nie den Mut verloren, eine Zauberin der Farbenfreude und Formenvielfalt zu bleiben. Und von der Kunst leben zu können erfordert viel Fleiss, Disziplin, Ausdauer und eine realistische Selbsteinschätzung.

Sie realisieren auch immer wieder Kunst am Bau – so zum Beispiel die «Schatzinsel» für den Verwaltungsneubau von Greiner in Diepoldsau. Was bedeutet für Sie Kunst am Bau?
Wer mich für sein Projekt am Bau holt, kennt meinen Ausdruck, meinen Stil und erwartet, überrascht und verzaubert zu werden. Auch am Bau gehe ich sehr methodisch vor und analysiere zuerst einmal die Ausgangssituation und entwickle daraus eine Art Vision, die ich dann konkretisiere. Immer ist es mir ein Anliegen, etwas zu schaffen, das Sinn stiftet, wohltut und sich vielleicht auch in irgendeiner Form als Instrument nutzen lässt.

Wie viel künstlerische Freiheit haben Sie bei der Realisierung von Werken für Kunst am Bau – das sind ja Auftragswerke…
Ja, zum Glück sind sie das! Es gibt einen Vertrag mit Rahmenbedingungen wie Kostendach und Zeitfenster. Dies entlastet mich sehr und hat bei mir jedes Mal zu so viel Schaffensfreude geführt, dass ich dabei über mich hinausgewachsen bin. So sind unter anderem meine Transformationen, «Lovables», «Antedels», «Flowerfloats» und letztlich auch die ganz neuen «Spacers» entstanden. In meinem Schaffen wurde ich nie eingeschränkt. Im Gegenteil, man wollte mich in jedem Fall genauso wie ich bin.

Was bringt Kunst am Bau dem Nutzer?
Da streiten sich die Geister. In Wittenbach gestaltete ich den Kreisel, und da gab es neben vielen Kreisel-Begeisterten auch kritische Stimmen. Als ich ihnen erklären konnte, dass ich mit den 51 Buntsäulen eine Art Denkmal für die Vielseitigkeit Wittenbachs geschaffen habe und Themen wie Familie, Landwirtschaft, Industrie und Geschichte miteinbezogen hatte, waren viele beruhigt. Meine Art der Kunst am Bau erweitert und ergänzt, erfreut und bereichert. Zumindest wünsche ich mir das so.

Was reizt Sie an Kunst am Bau?
Die Dimensionen, das vertiefte Schaffen und ganz stark der Austausch mit den Auftraggebern. Wenn das Magische und Einmalige an die Oberfläche drängt, und so ein «Glücksfall» sichtbar gemacht werden kann, dann habe ich mich selber übertroffen. Die einst definierten Grenzen sprenge ich gerne und freue mich am Staunen und der Beachtung. Kunst am Bau kommt vielen, auch unvorbereiteten Menschen zu Gute und hat eine stark nichtmaterielle Komponente. Das brauchen wir.

An der Immo Messe Schweiz zeigen Sie als Premiere eine ganz neue Art von Skulptur – die «Spacers». Was ist die Idee?
Spacers sind Figuren, die als Personen oder als Objekte aus der Natur betrachtet werden können, mit abstrahierten Augen, denen man begegnen kann und viel Glitzer. Das Besondere: Es sind Skulpturen, die sich vielfältig installieren lassen. Ihnen liegt ein digitales Konzept zugrunde, das die Möglichkeit offenlässt, die Skulpturen den jeweiligen räumlichen Gegebenheiten anzupassen. Dies eignet sie auch hervorragend für Kunst am Bau.

Wo steht Sabeth Holland in fünf Jahren?
Hoffentlich immer noch täglich in meinen Ateliers und am Arbeiten. Vorzugsweise immer noch mit überquellendem Herzen, enormen Schaffensdrang und der entsprechenden Anerkennung, gesund, ohne Selbstüberschätzung, mit noch mehr Erfahrung, Gelassenheit und stark vernetzt, auch digital. Ich vertraue darauf, dass mein grosses Engagement sich weiterhin bewährt und meine Familie, Sammler und Freunde sich an mir und meinem Werk freuen können. Gerne wäre ich eine Künstlerin von der man sagt, dass sie sich stetig treu ist und sich dennoch immer wieder neu erfindet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Person Die international tätige Künstlerin Sabeth Holland ist neben den Bereichen «Malerei», «Skulpturen» und «Installationen» auch in «Kunst am Bau», «Digital Art», «Fotografie» und «Konzepte» tätig. Die einstige Primar- und Englischlehrerin wuchs im St. Galler Rheintal auf und hat ab 1989 die Kunst Schritt um Schritt bis zum Hauptberuf ausgebaut. Sabeth Holland arbeitet heute in zwei Ateliers in St. Gallen.