Glücklich leben auf engstem Raum

Nachhaltig leben und dabei Platz sparen: Der Trend der «Tiny Houses», der Minihäuser, aus den USA, ist auch in der Schweiz angekommen. Die Lebensform, die sich dem Minimalismus verschreibt, findet auch in der Ostschweiz Anhänger und verschiedene Anbieter. So baut die Schöb AG in Gams, ein führender Anbieter von Holzsystembauten, auch Minihäuser. Im Interview erklärt Verkaufsleiter Markus Scherrer, was Tiny Houses besonders macht und worauf künftige Besitzer achten sollten.

Markus Scherrer, was zeichnet ein Minihaus aus?
Leben auf kleinstem Raum ohne Einschränkungen bezüglich Wohnkomfort und dank den sehr ökologischen Materialien natürlich auch mit einem grünen Fussabdruck.

Die Firma Schöb AG realisierte bereits einige Minihäuser – was waren die Hauptbeweggründe der neuen Eigentümer, sich für diese Wohnform zu entscheiden?
Bei den einen war es die Übergabe des Hauses an die Kinder. Bei anderen aber auch die Identifikation mit dem Lebensmotto, auf kleinstem Raum zu Wohnen und die zudem auch noch das Glück hatten, über einen geeigneten Bauplatz zu verfügen. Viele sagen einfach auch, dass sie im Alter nicht mehr so viel Platz möchten, dieser muss ja auch bewirtschaftet werden. Zudem ist ein Minihaus auch preislich attraktiv, um keine Verschuldung im Alter zu haben.

Ganz generell: Für wen eignet sich Ihrer Meinung nach ein Minihaus? Entweder für Singles oder ein Paar - für Familien ist es ungeeignet und man muss generell mit wenig Platz zufrieden sein.

Klein ist nicht gleich billig: Was kostet ein Minihaus im Schnitt und was gilt es hier alles zu beachten?
Wir bieten es ab zirka 145 000 Franken ab Werk an. Die Bauvorschriften sind die gleichen wie bei einem normalen Haus. Ein wichtiger Aspekt ist die Logistik: Da das Modul zirka 14 Tonnen wiegt, brauchen wir einen grossen Pneukran für den Ablad sowie einen Spezialtransport mit Überbreite. Wir lieferten auch schon ein Minihaus nach Österreich, wo wir über ein Haus in den Garten abladen mussten, da steigen die Logistikkosten sehr schnell an.

Wer ein Eigenheim kauft, schliesst in der Regel eine Hypothek ab. Ein Minihaus gilt bei Banken als bewegliches Vermögen, weil es schnell auf- und wieder abgebaut werden kann, und sie sind bei der Vergabe von Hypotheken zurückhaltend. Was sind hier Ihre Erfahrungen?
In diesem Punkt ist die Durchmischung hoch, wir informieren die Kunden jedoch gleich immer zu Beginn über den Fakt, dass die Finanzierung durch eine Bank nicht immer gewährleistet ist.

Die Tiny-House-Bewegung ist derzeit noch eine Nische in der Baubranche – wie gross ist die Nachfrage nach solchen Minihäusern?
Das Interesse an dieser Wohnform ist sehr hoch, der Kaufentscheid eher tief, da vielfach ein geeignetes Grundstück fehlt. Dennoch haben wir aktuell einige Projekte, wo wir mit unserer hauseigenen Architekturabteilung im Vorprojekt stehen. Eines davon ist ein zweistöckiges Projekt, das andere ist in L-Form.

Wieso hat sich die Schöb AG entschieden, ihr Angebot auf die Nische «Minihäuser» auszudehnen?
Da wir in der modularen Vorfertigung komplette Hotels mit 20 Zimmern oder mehr bauen oder auch sonst temporäre Bauten anbieten, ist dies eine Ergänzung zu dem bestehenden Angebot.

Wo steht die Minihaus-Bewegung in fünf Jahren?
Die Vereine sind sehr aktiv und ich denke, sie werden versuchen Vorstösse zu machen, um solche Siedlungen bauen zu können oder in den Städten die Verdichtung zu erhöhen. Es wird jedoch nach wie vor eine Nische bleiben.