Energieeffizient und trotzdem komfortabel bauen

Energieeffizienz und Ästhetik – ein Widerspruch? Das neue Energiegesetz verlangt, dass Energieeffizienz und erneuerbare Energien gesteigert werden. Dem Architekten fällt dabei eine wichtige Rolle zu – er muss die Nachhaltigkeitskriterien in seinem Entwurf berücksichtigen. Was das in der Umsetzung bedeutet, und dass nachhaltig zugleich ästhetisch sein kann, erklärt der Wiler Architekt Simon Schönenberger im Interview.

Simon Schönenberger, was sind für Sie die wichtigsten Punkte bei der Energieeffizienz, die aus Sicht des Architekten bei einem Neu- oder Umbau beachtet werden müssen?
Zunächst muss man sich Gedanken machen, welcher Energiestandard erreicht werden soll. Es geht schliesslich um Investitionen, die 20 bis 30 Jahre oder gar länger halten sollen. Die Schweiz hat sich zur Reduktion der Treibhausgasemissionen gegen null bis ins Jahr 2050 entschieden. Es geht also darum, welche Gebäude wir an die nächste Generation weitergeben wollen. Wenn diese nicht nach bestmöglichem Standard – heute noch mit Fördergeldern – gebaut, umgebaut oder saniert werden, könnte das in Zukunft teuer werden.

Ästhetik spielt beim Bau eine wichtige Rolle – wie verträgt sich das mit Energieeffizienz?
Das ist wirklich ein Problem. Viele Anbieter wollen einfach eine möglichst gute Wärmedämmung, ohne auf die Gestaltung zu achten. Das ist schade und besonders bei Baudenkmälern schwierig. Dabei ist im Umgang mit aktuellen Bau- und Dämmstoffen ästhetisch ansprechendes Bauen sehr wohl möglich. Wichtig ist, dass man frühzeitig einen darauf spezialisierten Architekten beizieht und die Ziele definiert. Vielfach ist auch ein Abwägen zwischen schön gestalteten Details, gutem Preis und bester Effizienz hilfreich. Mittels Modellrechnungen können wir die Ergebnisse solcher Abwägungen prüfen und so den schlauen Mittelweg finden.

Wie sieht für Sie eine gelungene Kombination von Ästhetik und Energieeffizienz aus?
Ein ganz schönes Beispiel ist ein von uns gebautes Mehrfamilienhaus in Wil. Das hat Ende Jahr mehr Energie produziert als verbraucht. Es wurde als Ersatz für ein maro des Zwei-Familienhaus erstellt, weil eine Sanierung finanziell nicht interessant war. Heute bestehen sechs Wohnungen mit bezahlbaren Mietzinsen und sehr tiefen Nebenkosten.

Was zeichnet für Sie das Haus der Zukunft aus?
Das Haus der Zukunft wird in der Abrechnung Ende Jahr keine Energie verbraucht haben, sondern eine Null oder gar ein Plus auf dem Energiekonto haben. Dies lässt sich bereits heute erreichen – und die Kunden müssen dabei auch auf keinerlei Komfort verzichten. Wenn man schon etwas mehr Geld für Energieeffizienz ausgibt, soll der Komfort auf keinen Fall zu kurz kommen. An den Einsparungen freut man sich dann umso mehr.

 

Das Wiler Mehrfamilienhaus produziert mehr Energie, als es verbraucht.
Das Wiler Mehrfamilienhaus produziert mehr Energie, als es verbraucht.