Blick in die schönsten St. Galler Lokale

Cafés, Bars und Restaurants müssen sich immer wieder dem Zeitgeist anpassen. Oft gehen bei einer Sanierung oder einem Wirtewechsel wertvolle Stilelemente verloren. Das muss nicht sein: Die Sonderausstellung «Gallery» des Heimatschutzes St. Gallen-Appenzell Innerrhoden zeigt an der Immo Messe Schweiz eine Auswahl besonderer Innenräume von St. Galler Lokalen, die in einer Serie im Kulturmagazin Saiten unter dem Titel «Innensicht» erschienen. Hier vier Beispiele.

Essen unterm Gewölbe: «Am Gallusplatz» Wie lange das Lokal, das im Volksmund «Gallusplätzli» genannt wird, seinen heutigen Namen trägt, ist nicht bekannt. 1905 hiess es «Zum Lindenhof». Der alte und der aktuelle Name beziehen sich auf den nahen Gallusplatz mit seiner mächtigen Sommerlinde. Mit der Erneuerung des Restaurants 2014 / 15 wurde das Tonnengewölbe neu inszeniert. Die frische Farbigkeit nimmt auf die historischen Malereien Rücksicht und die zeitgenössischen Leuchten lassen das Gewölbe hoch und leicht erscheinen.

Bier und Chäschüechli: «Zum Goldenen Leuen» oder «Naz» Das «Naz» heisst offiziell «Zum Goldenen Leuen». Altes Mobiliar prägt die Atmosphäre des Lokals: An der Wand maseriertes Brusttäfer und darüber Illustrationen mit Gemsen und markigen Trinksprüchen – eine Stimmung wie in einem Münchner Bierkeller. Das Lokal heisst «Naz», weil hier anfangs des 20. Jahrhunderts das «Café National» war. «National» hiess es deshalb, weil gegenüber die Schweizerische Nationalbank ihre Niederlassung hatte.

Die letzte Zunftstube: «Goldenes Schäfli» Die spätgotische Zunftstube, die letzte der Stadt, soll die grösste gewesen sein und jene mit den längsten freitragenden Balken der ganzen Altstadt. Dass das Lokal noch existiert, ist nicht selbstverständlich: In den 1950er-Jahren war die ganze Ecke Marktplatz/ Metzgergasse als Neubaugebiet vorgesehen. Dank einer Petition und der Gründung einer Genossenschaft wurde das «Goldene Schäfli» gerettet und findet sich heute in jedem Tourismusprospekt.

Unter Bundesschutz: «Schlössli» Spisertor Das «Schlössli» am Spisertor mit seinen Türmen und Erkern wurde im 16. Jahrhundert von einem Enkel Vadians erbaut. Vieles ist bis heute erhalten: Gewölbe- und Kassettendecken, reich verziertes Täfer, Wandfresken und Malereien zu religiösen Themen. Im Festsaal findet sich eine Arche-Noah-Darstellung, in der Burgerstube hängen Wappen, in der Rokokostube ein Leuchter aus Muranoglas. Das Schlössli gehört einer Freimaurerloge, steht unter Bundesschutz und ist im Inventar schützenswerter Ortsbilder.