«Begegnungsort für die Ostschweiz»

OLMA und OFFA sind jährliche Publikumsmagnete. Die Olma Messen St. Gallen führen auf dem Gelände aber viele weitere Eigenmessen durch, 2019 waren es 129 Anlässe. Um im Messebusiness flexibler agieren zu können und auch Grossanlässe aufs Olma-Gelände zu holen, wird mit dem ambitiösen 160-Millionenprojekt «Neuland» die Halle 1 derzeit rückgebaut und mit einer neuen Multi-Event-Halle ersetzt. Im Interview spricht Olma-Direktor Nicolo Paganini über das Projekt, die Finanzierung und die Zukunft der Olma Messen St. Gallen.

Nicolo Paganini, die Infrastruktur der Olma Messen St. Gallen ist mit der Olma gewachsen, und jetzt muss man diese Grösse irgendwie rechtfertigen...
Alleine für elf Tage Olma wäre die Infrastruktur zu gross. Also hatte man angefangen, zusätzliche Messen zu kreieren. Die Offa haben wir unterdessen 43 Mal durchgeführt, mit der Zeit sind weitere Produkte dazu gekommen, eigene wie die Tier & Technik, die Ferienmesse oder die Hochzeitsmesse. Dann sind Dritte gekommen und haben Messen bei uns veranstaltet, davon haben wir einige übernommen und zu Eigenmessen gemacht, z. B. die Immo Messe Schweiz. Und schliesslich haben wir vor allem mit der neuen Halle 9 den Bereich Kongresse und Events gepusht. Inzwischen ist unser Messegelände ein Begegnungsort für die Ostschweiz, der weit über die Bedeutung der Olma und der Offa hinaus geht.

Die Olma hat in dem Fall eine Vorstellung, was in den nächsten 10 bis 15 Jahren im Messewesen passieren wird, sonst würden Sie aktuell nicht so viel investieren.
Wir sind ein Messe-, Kongress und Event-Standort. Wir glauben an die Zukunft der Olma, der Offa und der Tier & Technik – das sind die drei Messen mit den grössten Deckungsbeiträgen. Wir glauben auch, dass es weitere Messeformate gibt. Wir glauben an die Medizin- und weiteren Kongresse, und wir glauben an das Veranstaltungsgeschäft. Ich bin überzeugt, dass die Ostschweiz einen Ort braucht, wo man sich im grossen Massstab treffen kann.

Dafür soll auch die neue Halle 1 sorgen – ein ziemlich spektakuläres Projekt.
Einverstanden, das Projekt «Neuland» ist schon sehr ambitiös. Wir stellten uns aber immer wieder die Frage: Was ist denn die Alternative? Unsere jüngste Halle ist 20 Jahre alt, im Herbst 1999 wurde die Halle 9 eröffnet. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht schweizweit gesehen «der Standort der alten Hütten» werden. Also haben wir gesucht, wo wir eine grosszügige neue Halle bauen könnten – ohne Stützen, denn diesind gerade im Event-Bereich störend und werden von den Veranstaltern nicht mehr akzeptiert. Das Grundstück der bestehenden, baufälligen Halle 1 ist mit seiner Dreiecksform schwierig. Wenn wir hier etwas gemacht hätten, hätten wir wieder mehrgeschossig bauen müssen, und das bedeutet: wieder mit Stützen. Für einen Bau ohne Stützen gibt es nicht viele Möglichkeiten – ausser die Autobahn, konkret das Ostportal des Rosenbergtunnels, zu überdecken. Wir glauben, dass das längerfristig die beste Variante ist.

Wie bewältigen Sie so ein Grossprojekt?
Ein 160-Millionen-Projekt, das so kompliziert ist mit der Autobahnüberdeckung und der Statik, bringt uns von der Managementkapazität und der Finanzierbarkeit an die Grenzen. Aber wir sind, soweit mir bekannt ist, die einzige mittelgrosse Messegesellschaft, die keinen Franken Schulden hat. Unsere Cash Flows bewegen sich in den letzten Jahren zwischen acht und neun Millionen Franken. Das machte es erst möglich, dass wir ein so grosses Projekt andenken konnten.

Was kann man künftig machen, was man heute nicht kann?
Wir können bei der Olma und der Tier & Technik zusätzliche Flächen verkaufen, zumal wir dann Flächen in guter Qualität zur Verfügung haben. Und wir werden mehr Geschäft machen im Bereich Kongresse und Events, weil wir mehr Parallel-Veranstaltungen durchführen können.

Das geht heute nicht?
Unser Problem ist, dass die meisten Veranstaltungen zwischen Februar und Mai sowie zwischen September und November stattfinden. Wenn die Offa läuft, kann parallel kein Medizinkongress und keine Generalversammlung stattfinden. Heute müssen wir Veranstaltungen absagen, künftig können wir mehr machen. Zudem können wir Veranstaltungen machen, die wir heute gar nicht durchführen könnten. Wir könnten sogar Da Zur Person Nicolo Paganini ist seit über acht Jahren Direktor der Olma Messen St. Gallen und hat neulich seinen Rücktritt von diesem Amt per Ende Mai 2020 bekannt gegeben. Der Jurist kam in Herisau zur Welt, hat Thurgauer Bürgerrecht und vertritt seit 2018 als CVP-Politiker den Kanton St. Gallen im Nationalrat. Paganini ist verheiratet und hat drei Kinder.viscup-Spiele austragen! Hätten wir diese Halle in den letzten 20 Jahren schon gehabt, dann hätten wir einmal Federer in St. Gallen gesehen, da bin ich ganz sicher.

Wollen Sie auch Kultur-Events in die Olma holen?
Im kulturellen Bereich gibt es einige Möglichkeiten, es ist aber schwierig, das jetzt schon genau zu definieren. Wir müssen schauen, wie wir die Halle auslegen können, wie wir die Haustechnik unterbringen, wo wir Fluchtwege haben werden. Aber irgendwo zwischen 8000 und 10 000 Konzertbesuchern müssten möglich sein. Das ist allerdings kein hochmargiges Geschäft, da haben wir auch keine hohen Gewinne eingesetzt in unserem Businessplan.

Die neue Halle 1 soll also eine multifunktionale Eventhalle werden?
Ja. Aber es wird trotzdem nicht eine eierlegende Wollmilchsau. Es ist in erster Linie eine Messehalle, die wir aber auch für Neue Halle 1 über der Stadtautobahn. Events auslegen. Neue Möglichkeiten schaffen wir uns nämlich auch im Messebereich: Um etwa die Swiss Skills durchzuführen, hatten wir nach Ansicht der Veranstalter bis jetzt immer zu wenig Fläche.

Ist für die Baubewilligung für die neue Halle 1 bereits vorhanden - oder könnte das Projekt noch in letzter Minute gestoppt werden?
Die Baubewilligung für die neue Halle 1 liegt noch nicht vor. Hingegen selbstverständlich jene für die Autobahnüberdeckung, für den Rückbau der Halle 1 und für den bereits abgeschlossenen Bau des Büroprovisoriums. Bei der neuen Halle 1 wurde der Projektwettbewerb plangemäss im Frühjahr 2019 abgeschlossen. Es brauchte danach einige Mo «Die Ostschweiz braucht einen Ort, wo man sich im grossen Massstab treffen kann.» nate Zeit, um das Projekt «baugesuchsreif» zu machen. Wir rechnen mit einer Baubewilligung im ersten Halbjahr 2020. Rechtsverfahren können natürlich nicht ausgeschlossen werden. Aber wir haben sehr sorgfältig darauf geachtet, dass das Projekt rechtlich «wasserdicht» ist. Ich bin also zuversichtlich, dass es höchstens zu Verzögerungen kommen kann.

Wann feiern Sie die Eröffnung der Halle?
Ich persönlich werde die Halle ja nicht mehr als Direktor eröffnen können. Zum Zeitplan: wenn wir wie bei allen bisherigen Bewilligungen ohne langwierige Rechtsverfahren zur Baubewilligung für die neue Halle 1 kommen, ist gemäss Bauprogramm bei gutem Bauverlauf eine Eröffnung im Herbst 2023 denkbar. Kommt es zu Verzögerungen, ist wohl eher eine Eröffnung im Herbst 2024 realistisch.

Neue Halle 1 über der Stadtautobahn.
Neue Halle 1 über der Stadtautobahn.