Aus Liebe zum Handwerk

Er lernte ursprünglich Möbelschreiner und entdeckte beim Umbau seines Eigenheims in Gonten AI seine Freude am Gipsen. Mit der Übernahme eines Geschäfts ging für Markus Signer vor fast sechs Jahren der Traum der Selbstständigkeit in Erfüllung. Im Gespräch spricht Signer über das oft verkannte Handwerk und erklärt, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist.

Markus Signer, eigentlich liegt das Gipserhandwerk bei Ihnen in der Familie – schon Ihr Grossvater führte ein Gipsergeschäft, und von Ihrem Onkel konnten Sie das Geschäft 2014 übernehmen. Wieso entschieden Sie sich nach der Arbeit mit Holz fürs Gipsen?
Wenn einem das Handwerken grundsätzlich zuspricht, gibt es viele Berufe, an denen man Freude haben kann. Holz kann man in vielen Varianten bearbeiten, Holz ist jedoch nicht formbar. Gips kann man schon als Grundmaterial formen und anschliessend weiterbearbeiten. Das ermöglicht noch mehr Spielraum. Es ist also faszinierend, dass man aus einem Material, das als Gipsgestein abgebaut wird und zudem preiswert ist, mit reinem Handwerk etwas Hochwertiges und Wertvolles herstellen kann

Das Gipsen wird als Handwerk gerne verkannt und hat nicht immer den besten Ruf – wieso?
Es gibt neben qualifizierten Betrieben leider auch solche, die sich nicht für hochwertiges Handwerk entscheiden, sondern dafür, möglichst viele Meter in kurzer Zeit abzuarbeiten. Da gehen die Nachhaltigkeit und der Berufsstolz schnell verloren. Die Fehler- und Mängelquoten solcher Betriebe sind entsprechend hoch; sie bestehen dann oft auch nicht lange. Dies schadet dem Ruf des Gipsers enorm, da haben Sie recht

Und wie wirken Sie dem entgegen?
Dank qualifiziertem und motiviertem Personal arbeiten wir stets überlegt und genau und legen Wert auf Details, welche die Nachhaltigkeit garantieren. Ich bin überzeugt, dass man langfristig besser und günstiger baut, wenn man von Anfang an auf qualifizierte Handwerker setzt. Wenn Garantiearbeiten durch schlecht ausgeführte Arbeiten nicht mehr behoben werden können, weil der Unternehmer bereits Konkurs ist, bleibt man oft auf hohen Kosten sitzen.

Wie gross ist die Nachfrage nach qualifizierten Gipserarbeiten heute?
Immer mehr Bauherren, Planer und Architekten setzen zum Glück vermehrt auf nachhaltiges Bauen mit qualifizierten Betrieben. Fachkräfte garantieren Qualität und auch, dass der Handwerker ganzheitlich denkt – das wirkt sich auch positiv auf die Gesamtkosten aus.

In welchen Bereichen sind Sie vor allem tätig?
Wir arbeiten oft im Umbau, weil dort gute Beratung besonders wichtig ist. Kein Umbau ist wie der andere, und man muss oft täglich infolge neuer Situationen Entscheidungen treffen. Jeder Umbau ist ein «Einzelstück» und wir versuchen, ihn stets nach den Vorstellungen des Bauherrn zu realisieren. Das Wichtigste ist, dass ihm das Ergebnis gefällt und er sich darin oder damit wohl fühlt.

Kommen auch ausgefallene Wünsche an Sie heran?
Wir durften etwa einen Fassadenputz machen, der nach afrikanischem Handwerk aussehen sollte. Schliesslich haben wir den Putz von Hand aufgetragen und mit unseren Händen ohne jegliches Werkzeug bearbeitet. Noch mehr Handwerk geht nicht!

Was raten Sie Eigenheimbesitzern, die ihr Heim mit einer Gipsarbeit verschönern wollen?
Falls man selber keine Handwerker persönlich kennt, ist es am besten, sich bei Bekannten, die bereits Erfahrung haben, zu informieren, ob sie mit den geleisteten Arbeiten zufrieden waren. Offerten sind schwierig zu vergleichen, denn das Ergebnis und die Schlussrechnung stimmen oft nicht mit dem überein, was ursprünglich be- oder gar versprochen wurde. Dies gilt übrigens für alle Berufsgattungen!

Wenn Sie wünschen könnten: Welche Gipserarbeit würde Sie besonders reizen?
Restaurationen in denkmalerisch wertvollen Gebäuden sind für mich die grösste Herausforderung und haben einen grossen Reiz. Es ist sehr spannend, herauszufinden, welche Arbeitstechniken und Materialien damals angewendet wurden, sich diese dann anzueignen und die Objekte danach zu reparieren oder ergänzen. Anhand der Arbeiten kann man viel über die jeweilige Zeit und den Handwerker herausfinden. Dies hat mich bereits in der Antikschreinerei, in der ich meine Erstausbildung absolviert habe, fasziniert.

 

 

 

 

Zur Person Markus Signer gibt Besuchern an der Immo Messe Schweiz bei der Themeninsel «Handwerk Live» am Stand 9.0.053 einen Einblick ins Gipserhandwerk.